
Den Alterungsprozess der intellektuellen Funktionen zu verzögern sowie das Aufkommen von Krankheiten mit fortschreitender Abnahme der Hirnfunktionen
[1] aufzuschieben, unter welchen die Alzheimer-Krankheit die häufigste ist, gehören zu den größten Herausforderungen unserer Gesellschaft.
Die Alzheimer-Krankheit ist die vierte Todesursache der Industrieländer.
Auf der ganzen Welt sind 15 Millionen Menschen daran erkrankt. Heutzutage leiden etwa 900.000 Menschen unter Alzheimer in Deutschland, und jedes Jahr kommen circa 120.000 neue Erkrankungen hinzu.
Die Hauptrisikofaktoren der Krankheit sind wie folgt:
- Das Alter: Es trifft 0,4% aller Personen ab 65, sowie 20 bis 40% aller Neunzigjährigen.
- Die Art: Ab 75 ist das Alzheimer-Risiko bei weitem höher bei Frauen (2/3 der Fälle). Dieser Unterschied hängt anscheinend mit dem Sturz des plasmatischen Östrogenwertes während der Wechseljahre zusammen (Wegfall der Schutzfunktion der Östrogene), sowie mit den genetischen und sozio-kulturellen Unterschieden. Es scheint, dass Männer durch Ihre Fähigkeit, das Testosteron hirntechnisch in Östrogen umzuwandeln, eher "geschützt" sind.
- Arterieller Bluthochdruck
- Niedriges soziales Bildungsniveau
- Junggesellen: Bei diesen gibt es ein höheres Demenzkrankheitenrisiko
- Das Risikogen Apolipoprotein E, auch ApoE genannt, Träger der lebensnotwendigen Lipide zur neuronalen Regenerierung (Ein Protein ist eines der Hauptbestandteile der Zellen): Personen, die die ApoE4-Art haben, haben ein höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken, als die mit einer anderen Art.
Mögliche Vorbeugefaktoren einer Alzheimererkrankung sind wie folgt:
- Pflegen Sie regelmäßig und auf verschiedene Arten Ihre intellektuellen Fähigkeiten, um so eine kognitive Reserve [2] aufrechtzuerhalten. Die Schutzfunktion kognitiver Hobbys und der kognitiven Instandhaltung beginnt mit der Stimulierung und Instandhaltung der kognitiven Reserve. Handelt es sich um den normalen Alterungsprozess, so können Senioren dank der neuronalen Formbarkeit, die den neuronalen Kreislauf in jedem Alter konserviert, umgestaltet und entwickelt, länger ihre kognitiven Fähigkeiten beibehalten, und dies trotz der biochemischen Hirnveränderungen. Ein vor kurzem in der Zeitschrift "Nature Neuroscience" [3] erschienener Artikel zeigt z.B., dass das Arbeitsgedächtnis anhand von Trainingsübungen verbessert werden kann, was wiederum nützlich für das Denk- und Lernvermögen ist, sowie für die Fähigkeit, Probleme zu lösen.
- Machen Sie Aktivitäten, die Initiative und Planung erfordern, so wie Gärtnern, Reisen, Malen, Basteln, Musizieren und Sport, anstatt passiv fern zu gucken oder genauso passiv an Sitzungen teilzunehmen.
- Grenzen Sie als Risiko-Person [4] Ihre Kaloriezufuhr ein und achten Sie auf eine fettarme Ernährung.
- Nehmen Sie sehr viel Vitamin E zu sich (Nahrungsergänzung und/oder normale Ernährung) [5], doch beachten Sie, dass eine hohe Dosierung (mehr als 600 mg/Tag) das Blutungs- und Hochdruckrisiko erhöhen können.
- Laut manchmal aus methodologischen Gründen angefochtenen Studien [6] könnte ein gemäßigter Weinkonsum das Demenzkrankheitenrisiko reduzieren. Dennoch sollten diese Studien niemanden dazu veranlassen, Wein zu trinken, was vor allem für Senioren gilt, die Medikamente zu sich nehmen.
Das alternde Gehirn kann eine günstige Grundlage für die Entwicklung degenerativer Krankheiten darstellen. Studien bei Mensch und Tier haben erwiesen, dass die Ernährung, körperliche und intellektuelle Betätigung, die Hormonen, sowie Stressbewältigung, Vorbeugefaktoren der kognitiven Funktionen und Minderungsfaktoren dieser altersbedingten Vulnerabilität des Gehirns verkörpern.
[1] Kognitiv-degenerative Pathologien sind altersbedingt, haben jedoch nichts mit dem Altern der Strukturen zu tun: Es gibt kein kognitiv-pathologisches Altern.
[2] Das physiologische kognitive Altern und kognitiv-degenerative Pathologien haben eines gemeinsam: Der von der zerebralen Reserve (Anzahl der Neuronen und ihre Verbindung) gebotene Schutz und die kognitive Reserve (Aktiver Prozess der neuronalen Formbarkeit, der es ermöglicht, unsere Leistungen zu optimieren, sei es durch den Einsatz anderer Gehirnbereiche oder durch die Anwendung neuer kognitiver Strategien).
[3] Olesen, Westerberg & Klingberg (2004). Increased prefrontal and parietal activity after training of working memory, Nature Neuroscience, 7, 75-79
[4] D.h. Träger des Risikogens Apolipoprotein E der ApoE4-Art, "defizitäre" Form des ApoE-Proteins.
[5] Morris et al. (2002). Dietary Intake of Antioxidant Nutrients and the Risk of Incident Alzheimer Disease in a Biracial Community Study. JAMA, 287, 3223-3229. Siehe ebenfalls Morris et al. (2002). Vitamin E and cognitive decline in older persons. Archives of Neurology, Vol. 59, 1125-1132.
[6] Huang et al. (2002). Alcohol consumption and incidence of dementia in a community sample aged 75 year and older. Journal of Clinical Epidemiology, 55, 959-964.
Truelsen et al. (2002). Amount and type of alcohol and risk of dementia. Neurology, 59, 1313-1319.
Obisesan et al. (1998). Moderate wine consumption is associated with decreased odds of developing age-related macular degeneration in NHANES-1. Journal American Geriatrics Society, 46, 1-7.
Orgogozo et al. (1997) Wine consumption and dementia in the elderly: a prospective community study in the Bordeaux area. Revue Neurologique, 153, 185-192.