WIE FUNKTIONIERT UNSER GEHIRN?

 

Das Gehirn verdankt seine optimale Leistungsfähigkeit einer breiten Palette komplexer Fähigkeiten, die KOGNITIVE FUNKTIONEN genannt werden. Sie werden zu jeder Tageszeit, in jedem Alter und überall beansprucht.

Diese kognitiven Funktionen helfen uns z.B. dabei, eine Wegstrecke zu bestimmen, sich eine Telefonnummer zu merken, ein Gesicht zu erkennen, Kopfrechenaufgaben zu lösen, Auto zu fahren, Klavier zu spielen oder ganz einfach zu lesen!

Sie unterstützen somit das Denken, Handeln und Kommunizieren.

 

Das GEDÄCHTNIS

 

Das Gedächtnis ist die am meisten beanspruchte Funktion. Man braucht es, um sich verschiedenste Informationen zu merken oder in Erinnerung zu rufen: Eine Telefonnummer, einen Termin, das, was wir letztes Wochenende gemacht haben, den Ort, an dem wir unseren Schlüssel gelassen haben, den Namen jenen Gegenstandes oder jener Person oder ein historisches Datum.

Eine wichtige Rolle spielt das Gedächtnis auch bei anderen kognitiven Aktivitäten wie z.B. wenn man liest, argumentiert, kopfrechnet oder sich etwas gedanklich vorstellt. Ob bewusst oder unbewusst, diese Fähigkeit wird also kontinuierlich benötigt und hilft uns dabei, kulturelles Wissen, persönliche Erinnerungen oder motorischen Abläufe anzusammeln.

Das Gedächtnis stellt die Vergangenheit eines Menschen dar. Diese Kenntnisse über einen selbst sind die Grundlagen unserer Identität.

 

Die verschiedenen Gedächtnisarten


Wir neigen dazu, das Gedächtnis als ein Ganzes zu betrachten. So behauptet man z.B. allgemein, EIN gutes oder schlechtes Gedächtnis zu haben, oder benutzt Sätze wie "MEIN Gedächtnis gleicht EINEM Sieb!". Wir haben jedoch mehrere Gedächtnisarten.

Sich daran zu erinnern, was man am Vortag gegessen hat, ist etwas völlig anderes, als sich daran zu erinnern, dass die Hauptstadt von Deutschland Berlin heißt. Forschungen haben erwiesen, dass, je nach Art der zu speichernden oder zu erinnernden Information, unterschiedliche Gehirnteile eingesetzt werden. Die Gedächtnisarten unterscheiden sich ebenfalls nach Dauer der Erinnerung:

  • Das sensorische Gedächtnis ist das kurzlebigste. Es empfängt jede neue Information, die innerhalb von nur wenigen hundert Millisekunden aufgenommen wird.
  • Es wird dann vom Kurzzeitgedächtnis abgelöst, auch Arbeitsgedächtnis genannt. Von dort an wird die Information circa eine Minute lang aufbewahrt. Die Kapazität des Kurzzeitgedächtnis begrenzt sich auf 7 Elemente, die auf einmal gespeichert werden können. So können wir uns z.B. eine mündlich durchgegebene Telefonnummer bis zu dem Zeitpunkt merken, an dem wir sie wählen oder aufschreiben. Das Kurzzeitgedächtnis kommt auch beim Lesen zum Einsatz, um uns den zuletzt gelesenen Satz merken zu können und den Zusammenhang mit dem nächsten zu erstellen.
  • Das Langzeitgedächtnis wird beansprucht, um sich eine Information länger zu merken. Fassungsvermögen und Aufbewahrungsdauer der gespeicherten Informationen sind unbegrenzt.
Die Unterarten des Langzeitgedächtnis nach Erinnerungstyp:

Im Langzeitgedächtnis befinden sich verschiedene Arten dauerhaften Wissens.

  • Erinnerungen wie das, was man am Vortag gemacht hat, unseren Zahnarzttermin oder der Abend bei einem Freund, sind persönliche und autobiografische Erinnerungen, deren Speicherkontext sehr wichtig ist.

Diese Erinnerungen werden unter dem Begriff episodisches Gedächtnis zusammengefasst.

  • Gleichzeitig stellen Kenntnisse wie Grammatikregeln, die Bedeutung eines Wortes, kulturelle Gegebenheiten, Namen von Hauptstädten oder Gegenständen, allgemeine Kenntnisse dar, die ihrem Speicherkontext entrissen wurden.

Wir können uns meistens nicht mehr an den genauen Anlass erinnern, an dem wir diese Informationen erhalten haben.

Sie gehören zum semantischen Gedächtnis
  • Das Langzeitgedächtnis beinhaltet Kenntnisse, die man nur schwer auf präzise Weise weitervermitteln kann. Es stellt all unser Können dar, wie Klavier spielen, Fahrrad und Auto fahren oder eine Jacke zuknöpfen...


Obwohl wir diese Handlungen automatisch durchführen, benötigen sie Kenntnisse, die im Gedächtnis gespeichert sind.

Dazu gehört z.B., dass man weiß, dass man mit jener Positionierung der Hände auf die Klaviertasten jenen Akkord spielen oder mit jenem Manöver mit dem Auto links abbiegen kann.

Man spricht hier vom Verfahrensgedächtnis.

 

Gedächtnisstörungen

 

Da das Gedächtnis im Alltagsleben eine wichtige Rolle spielt, können Gedächtnisstörungen sehr behindernd sein und die Angst, unter welchen zu leiden, kann sich als Stressquelle herausstellen.

Gedächtnisstörungen sind bei über 50-jährigen sehr geläufig. Oft befürchten sie dann, dass diese Beschwerden sich als Krankheitssymptom erweist.



Obwohl das Gedächtnis mit fortschreitendem Alter weniger leistungsfähig wird, ist es aber selten der Fall.

Das Alter ist nicht der einzige Faktor, der die Leistung des Gedächtnis beeinträchtigt. Sie ist auch von solchen Faktoren wie bestimmte Umstände und Begebenheiten, Müdigkeit oder auch Stress, Motivation und Emotionalität abhängig. Wie steigert man seine Merkfähigkeit?

Um sich besser an etwas zu erinnern, sollte man allgemein aufmerksam sein, ganz gleich, ob man einen Text liest oder seine Brille auf eine Kommode legt.

Routineaufgaben wie Blumengießen oder Medikamente einnehmen, sind leicht zu merken, da diese Aufgaben z.B. immer zur gleichen Uhrzeit erledigt und mit bestimmten Begebenheiten assoziiert werden, wie eine Mahlzeit oder eine wöchentliche Fernsehsendung.


Der emotionale Aspekt ist ebenfalls von Bedeutung: Sachen, in denen wir keinen Sinn sehen oder uninteressant finden, können wir uns nicht merken. Je mehr emotionale Merkpunkte man setzt, desto besser kann man sich etwas merken. Um sich etwas besser zu merken, kann man folgende Hilfestellungen benutzen:
  • Wesentliche Informationen für das Verständnis herauskristallisieren
  • Überlegen und sich Fragen zum Inhalt und zur Bedeutung der Information stellen,
  • Organisation der Information in verschiedene Kategorien,
  • Bilden von Assoziationen,

  • Regelmäßiges Abfragen der gelernten Information.

 

Die SPRACHE

 

Sprechen ist die menschliche Charakteristik schlechthin.


Jeden Tag benutzen wir unterschiedliche Aspekte der Sprache, sei es im Schriftlichen (Lesen und Schreiben) oder im Mündlichen (Verständnis und Ausdruck).

Zu diesen verschiedenen Bereichen gibt es reichlich Fachliteratur. Wir werden uns hauptsächlich darauf beschränken, die beim Lesen einbezogenen Vorgänge zu beschreiben. Lesen

Lesen ist eine komplexe mentale Aktivität. Dabei nehmen wir bei jedem Wort verschiedene, mehr oder weniger automatische Arten von Analysen vor:
  • Anhand der visuellen Analyse ist es möglich zu sagen, dass jene gelesene Form jenem Buchstaben oder Wort entspricht.

  • Bei der orthographischen Analyse entdecken wir eventuelle Rechtschreibfehler.

  • Mit der Analyse der Syntax kann man feststellen, ob die grammatische Struktur eines gegebenen Satzes korrekt ist.

  • Die phonologische Analyse führt zur akustischen Erkennung eines Wortes, da man selbst beim stillen Lesen die Aussprache der Wörter herausarbeitet.

  • Die semantische Analyse hilft dabei, den Sinn der Wörter herauszufiltern und den Satz in seiner Gesamtheit zu verstehen.
Festgestellte Vorkommnisse beim Lesen:

Das Lesen eines Wortes wird durch die Häufigkeit seines Aufkommens in einer gegebenen Sprache erleichtert. Je häufiger ein Wort vorkommt, desto schneller kann man ihn bestimmen. Dies könnte bedeuten, dass die Leichtigkeit, mit der wir ein im Gedächtnis gelagertes Wort wiederfinden, direkt mit der Häufigkeit seines Aufkommens in dieser Sprache zusammenhängt.

Weiterhin erleichtert der Zusammenhang des Wortes mit seinem Kontext innerhalb des Satzes ebenfalls das Lesen. Wenn wir den Anfang eines Satzes lesen, erwarten wir danach tatsächlich, ein Wort zu lesen, das zum Sinn des Satzes passt. Wenn wir den Anfang des Satzes "ER IST SO ROT WIE EINE..." lesen, so gehen wir davon aus, dass das nächste Wort eher "TOMATE" als "Kirsche" oder irgend ein anderes Wort sein wird.

Wie leicht es uns fällt, ein Wort zu lesen, hängt ebenfalls von physischen Kriterien ab. Wir sind daran gewöhnt, Wörter mit einer bestimmten Erscheinungsform zu lesen und wenn diese Form nicht respektiert wird, wird der Lesevorgang verlangsamt. Wenn uns also ein Wort gezeigt wird, das abwechselnd groß und klein geschrieben ist, wie z.B. "EicHhörNChEN", so wird der Lesevorgang bei diesem Wort erschwert. Textverständnis:

Klassischerweise wird ein Text in mehreren Etappen, also satzweise und paragraphenweise, gelesen.

Damit wir den Zusammenhang eines Textes verstehen können, werden die Informationen, die nach und nach gelesen werden, zeitweise im Gedächtnis aufbewahrt. Dies hilft dabei, die nächste Etappe oder sogar den nächsten Satz oder Paragraphen zu verstehen.

Das Gedächtnis kann die Sätze jedoch nicht genauso behalten, wie sie im Text erscheinen. Die zum Textverständnis relevantesten Informationen (bereits erwähnte Schlüsselwörter und Hauptgedanken) werden am längsten aufbewahrt, um später wieder für eine Zusammenfassung benutzt zu werden.

Nicht relevante, überflüssige oder widersprüchliche Informationen werden aus dem Gedächtnis gestrichen, um es nicht über zu belasten und nur den globalen Sinn des Textes zu entnehmen und zu verstehen.

 

 

 

Anders gesagt untersuchen wir beim Lesen die vorhandenen Wörter und entnehmen die Stichwörter, die uns dabei helfen, uns die Hauptgedanken zu merken. Die Wörter werden automatisch zu einem möglichst kohärenten Ganzen geordnet. So wird dann ein globaler Sinn entnommen, der mit einem zentralen Thema assoziiert werden wird.

Die Kenntnisse des Lesers tragen ebenfalls zum Textverständnis bei. Wenn ein Kind also liest ''Der kleine Junge, der im Wald spazierte, wurde vom Elefanten aufgefressen." und er noch nicht weiß, dass Elefanten keine Fleischfresser sind, wird er nichts ungewöhnliches an diesem Satz finden.

Unser Allgemeinwissen hilft uns außerdem dabei, Rückschlüsse zu ziehen, wenn eine Aussage nicht klar ist. Wenn man also diese anscheinend nicht zusammengehörigen Sätze liest: "Es wurde in die Wohnung eingebrochen. Paul hat kein Geld mehr.", ist automatisch folgende Schlussfolgerung mit inbegriffen: "Pauls gesamtes Geld befand sich in der Wohnung.", was uns hilft, einen Zusammenhang im Satz zu sehen.

 

Schreiben


Nehmen wir als Beispiel einen Brief: Um ihn zu schreiben, benutzen wir Grammatikregeln, doch wir achten ebenfalls auf die Rechtschreibung und suchen nach Synonymen, um Wiederholungen zu vermeiden.

 

Verständnis und verbaler Ausdruck


Wenn wir uns unterhalten oder etwas erklären, bilden wir Sätze und wählen dabei Wörter aus unserem Wortschatz, die für unseren Gesprächspartner oder für die Umstände am angebrachtesten sind. Anschließend ordnen wir diese Wörter und beachten dabei die uns bekannten Grammatikregeln.

 

Das räumlich-visuelle Wahrnehmungsvermögen

 

VISUELLE WAHRNEHMUNG


Wenn man Sie bitten würde, von diesen 4 Gegenständen den am nächsten zur Pyramide stehenden Würfel herauszugreifen, hätten Sie damit keinerlei Schwierigkeiten. Dennoch beruht dies auf komplexe kognitive Vorgehensweisen.


Um es also richtig zu machen, wird man zunächst die Form dieser vier Gegenstände erkennen müssen, um den Würfel von den anderen Formen zu unterscheiden. Wenn man danach erkannt hat, dass es zwei Würfel gibt, wird man entscheiden müssen, welcher am nächsten zur Pyramide steht, indem man die Entfernung zwischen Würfeln und Pyramide schätzt. Diese Entscheidung wird umso schwieriger sein, da auch die Perspektive berücksichtigen muss. Da wir in einer Welt leben, wo unsere visuelle Wahrnehmung die am allermeisten beanspruchte Sinneswahrnehmung ist, sind Situationen, in welchen man visuelle Formen und Farben erkennen, die Stellung eines Objektes im Verhältnis zu einem anderen analysieren oder die Entfernung zwischen zwei Gegenständen schätzen soll, alltäglich.

So ist es tatsächlich notwendig, alle visuellen Informationen gut zu untersuchen, um uns innerhalb unserer Umgebung zu bewegen.

Diese spontanen Analysen finden dank unserer Sehstruktur statt. Die Form des Gegenstandes und seine räumlichen Eigenschaften (d.h. Größe, Standort, Ausrichtung der Gegenstände) werden von zwei unterschiedlichen Gehirnbereichen behandelt. Wenn man die Anzahl der Informationen berücksichtigt, die verarbeitet werden müssen, um eine zusammenhängende Analyse einer visuellen Szene zu erhalten, ist die visuelle Wahrnehmung also eine äußerst komplexe kognitive Funktion.

Dank ihr sind wir dazu in der Lage, Gegenstände zu unterscheiden, die zu unserer Umgebung gehören, so wie ihre Position im Verhältnis zu anderen Gegenständen und zu uns selber zu bestimmen. Von da an können wir mit der Umgebung interagieren (nach Gegenständen greifen, sich nach ihnen orientieren).

Die Gegenstände unserer Umgebung bilden also Orientierungshilfen, mit denen wir uns in einem Raum besser orientieren können. Ob man sich korrekt orientiert, hängt aber ebenfalls von den internen Informationen ab, die von unserem eigenen Körper stammen, wie z.B. die Positionierung unseres Arms oder unserer Hand.

Bei jeder Strecke, die wir zurücklegen, erstellt unser Gehirn gedankliche Karten. Wenn wir diese Karten mit den entsprechenden hinweisenden Kennzeichen assoziieren, können wir hinterher jede bereits bekannte Strecke problemlos wieder zurücklegen. Stellen Sie sich nun vor, dass jemand Sie darum bittet, den am nächsten zur Pyramide stehenden Würfel zu bestimmen, wenn der hintere Würfel um 10cm in Richtung der Pyramide verschoben werden würde.

Um diese Frage zu beantworten, muss man gedanklich den hinteren Würfel um eine Entfernung verschieben, von der man schätzt, dass sie 10cm entspricht. Danach muss man auch entscheiden welcher Gegenstand am nächsten zur Pyramide steht. Diese Art von Fragen wird unser Vorstellungsvermögen beanspruchen.

Das Vorstellungsvermögen ist eine kognitive Handlung, mit der wir Dinge trotz ihrer Abwesenheit vernehmen können. Sie ist nicht ausschließlich visuell - sie erlaubt uns, Bilder, Klänge, Gerüche oder Gefühle in unserem Kopf zu erstellen.

Im Bereich des visuellen Wahrnehmungsvermögens ist es das Gefühl, ein Bild in seinem Kopf "sehen" zu können, so wie das Gesicht einer Person, ohne dass diese Person körperlich anwesend ist. Dank dieser Fähigkeit können wir gedanklich reale Formen (Gesichter, menschliche Körper, Zahlen, Wörter, Gegenstände, Tiere...) oder imaginäre (Monster, abstrakte Figuren) Formen erstellen. Sie können uns bekannt oder unbekannt, stillstehend oder in Bewegung, bunt oder schwarz-weiß sein.

Vor einer komplexen Handlung kann man ihre einzelnen Etappen durchgehen und simulieren, um sicherzugehen, dass keine der Grundlagen vergessen oder unterschätzt wurde.

Ein typisches Beispiel ist der Schachspieler. Die Spielfiguren dürfen vor dem tatsächlichen Zug nicht berührt werden. Um einzuschätzen, wie relevant die möglichen Züge sind, simuliert er sowohl seine Züge also die seines Gegners gedanklich. Im Alltag wird unser Vorstellungsvermögen oft beansprucht, wie z.B. wenn man denkt, träumt, argumentiert, Probleme löst, Ereignisse vorwegdenkt und -plant, Gegenstände erkennt, die auf ungewohnte Weise dargestellt wurden, eine Strecke simuliert, eine mündliche Beschreibung versteht...

Das Vorstellungsvermögen beruht auf unsere täglichen Erfahrungen. Tatsächlich werden die Elemente, die unsere Erfahrungen ausmachen (z.B. Gesichter, Gegenstände, Klänge, Formen, Empfindungen, Gerüche...), in unserem Gedächtnis gespeichert und in einem temporären Gedächtnis wieder aktiviert, wenn wir uns an jene Elemente wieder erinnern möchten. Das Vorstellungsvermögen ist daher jedem eigen.

Wenn man also zwei Personen bittet, sich einen Hund vorzustellen, werden die zwei vorgestellten Hunde sehr wahrscheinlich nicht die gleichen sein.

Kreativität existiert dank unseres Vorstellungsvermögens: So kann man sich etwas, das es in der Realität nicht gibt, bildlich darstellen.

Diese neuen Bilder können wir erzeugen, indem wir sowohl vertraute Elemente miteinander kombinieren als auch neue Linien erzeugen, mit denen wir noch nie gesehene Formen gedanklich erstellen können. Mit dem Vorstellungsvermögen können wir ebenfalls Bilder durch gedankliche Rotation umwandeln.


Wenn wir z.B. einen Raum einrichten, können wir das Endergebnis voraussehen, indem wir gedanklich alle zur Verfügung stehenden Möbel herumdrehen, um so die beste Einrichtungsweise zu wählen. Dank der gedanklichen Rotation kann die Einrichtung des Raums so vorbereitet werden, dass die Möbelstücke nicht mehrmals umgestellt werden müssen, falls das Ergebnis uns nicht gefällt.

 

AUSFÜHRENDE FUNKTIONEN

 

Die ausführenden Funktionen entsprechen ausgearbeiteten Logik-, Strategie- , Planungs-, Problemlösungs- und hypothetisch-deduktiven Denkfunktionen.

Diese Funktionen helfen uns, die komplexen Probleme des Alltags zu meistern. Meistens reicht es, Kontext sowie gewünschtes Ziel zu untersuchen, um mögliche Konsequenzen zu kalkulieren, die aus dieser Entscheidung resultieren. Im Alltag stehen wir oft vor komplexen oder neuen Situationen, wie z.B. die Ursache einer Panne finden, die beste Fahrtstrecke ausarbeiten, Gärtnerarbeiten planen, die strategisch besten Züge finden, um seinen Schachgegner zu schlagen...

Solche Situationen meistern wir dank drei verschiedener Arten von Denkvermögen:
  • folgernd,
  • analog,
  • oder automatisch.
Der folgernde Denkprozess findet statt, wenn man vor einer ganz neuen Problematik steht, für die es noch keine vorgefertigte Lösung gibt, die man anwenden könnte. Die einzelnen Elemente des Problems müssen dann herauskristallisiert werden. Mit ihnen muss man Rückschlüsse ziehen, Annahmen formulieren und überprüfen, um so zu möglichen Lösungen zu gelangen.

Beim analogen Denkprozess recycelt man eine bereits benutzte Lösung. Dies kann man machen, wenn das Problem, vor dem man steht, Ähnlichkeiten mit dem Vergangenen bietet.

Der automatische Denkprozess ist eher die spontane Anwendung eines Vorgehens als ein Denkprozess an sich. Typischerweise wird er bei vertrauten Situationen angewandt, wie z.B. wenn wir mit dem Auto Arbeit fahren.

Dabei werden automatisierte Kenntnisse angewandt, die im Verfahrensgedächtnis gelagert wurden. Da diese Situationen nicht neu sind, benötigen sie nur wenig Aufmerksamkeit, so dass diese für etwas anderes benutzt werden kann. Um ein Problem zu lösen, muss man mehrere Denketappen durchmachen:

Das Problem wird untersucht und das zu erreichende Ziel wird bestimmt. Anschließend geht es darum, eine Strategie und einen Aktionsplan zu bestimmen, um die Problemlösung zu finden.

Ist es zu schwierig, mit einer einzigen Etappe zum Endergebnis zu gelangen, sollte man sich Zwischenziele setzen, um den Weg zur Lösung zu erleichtern.

Gleichzeitig muss man die vorhandenen Hilfsmittel und mögliche Beschränkungen berücksichtigen.

Schließlich ist es äußerst wichtig, eine der möglichen Lösungen zu wählen und das Ergebnis im Verhältnis zur Anfangsabsicht zu bestätigen. Weitere kognitive Funktionen, die beim Denken beansprucht werden:

  • Die Aufmerksamkeit
Beim Lösen eines Problems können wir uns dank unseres Aufmerksamkeitsvermögens auf alle Einzelheiten des Problems konzentrieren und die relevantesten bestimmen. Dies wird uns helfen, das Ziel und die anzuwendende Strategie klar zu bestimmen.

Dank unserer Aufmerksamkeit können wir Interferenzen ausschließen, die uns beim Denken stören könnten. Sie kann uns ebenfalls dabei helfen, automatische und für die Situation unpassende Antworten beiseite zu lassen, wie wenn man vor einem Stoppschild hält, obwohl ein Verkehrspolizist uns vorbeiwinkt.
  • Das Gedächtnis

Das Langzeitgedächtnis wird beim Argumentieren äußerst mit einbezogen, da wir beim Lösen von neuen Problemen Handlungspläne benutzen können, die noch im Gedächtnis gespeichert sind.

Auch das Arbeitsgedächtnis wird stark beansprucht. Es erlaubt uns, die wesentlichen Elemente des Problems, wie das zu erreichende Ziel, nicht aus den Augen zu verlieren und sie wie eine Zahlenreihe beim Kopfrechnen, auf verschiedene Arten miteinander zu kombinieren.

  • Das Vorstellungsvermögen

Das Vorstellungsvermögen, d.h. die Fähigkeit, sich einen Gegenstand, eine Person, usw. gedanklich vorzustellen, ohne dass dieser Gegenstand oder diese Person wirklich physisch anwesend ist, wird beim Argumentieren auch miteinbezogen.

Anhand des Vorstellungsvermögens kann man neues erschaffen, voraussagen (z.B. kommende Züge beim Karten- oder Schachspielen), Informationen speichern, Situationen vergleichen oder Gegenstände auch gedanklich zu wenden (z.B. um zu entscheiden, ob die Farbe einer neuen Tapete zu den aktuellen Möbeln passt oder ob eine Hand, die man außerhalb des Kontext sieht, eine linke oder rechte Hand ist).

 

LOBREDE AN DIE KOMPLEXITÄT

 

Bei den meisten Aufgabe werden Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Sprache simultan beansprucht.

Um eine Unterhaltung mit jemandem zu starten, muss z.B. folgendes geschehen:

  • Die zu übermittelnde Information muss unserem Gedächtnis entnommen werden,
  • diese Information muss in zusammenhängenden Sätzen geordnet werden,
  • Aufmerksam muss man auch bei komplexen Sätzen bleiben, ohne dabei das Ziel der Diskussion aus den Augen zu verlieren.


So ist das Gehirn dazu fähig, große Mengen an Informationen miteinander zu kombinieren und gleichzeitig verschiedene kognitive Mechanismen zu entwickeln.

 

VIELFÄLTIGKEIT

 

Schnelligkeit und Genauigkeit sind Kenngrößen, die je nach Person und Aufgabe variieren.

Wir alle haben unsere Präferenzen, d.h. Aktivitäten bei denen man besser zurecht kommt oder effizienter ist, also bei anderen.

Dies zeigt also, dass es keine "Top-Leistung" als solche gibt.

Mit abwechslungsreichen Materialien (Wörter, Zahlen, Bilder, Gegenstände) in sehr unterschiedlichen Bereichen zu arbeiten, erhält unsere Gehirnaktivität am besten.

Weiterhin sind Motivation und das Pflegen von Kontakten wichtige Faktoren, um seine kognitiven Fähigkeiten zu entwickeln.

 

STOP DER ROUTINE, ES LEBE DIE VIELFÄLTIGKEIT!

 

Unvermutetes und Neues sind die Leibspeise des Gehirns.

Diese Feststellung ist nicht für alle angenehm und kann einen gewissen Aufwand erfordern. Oft mag der Mensch seine Gewohnheiten und vertraute Situationen. Routine tut dem Gehirn jedoch nicht gut. Um leistungsfähig zu bleiben, müssen all seine Bereiche arbeiten.

Der kognitive Aspekt und die psychologischen, mentalen und emotionalen Dimensionen sind in ständiger Wechselwirkung.
So wird die kognitive Leistung einer depressiven Person durch ihren Zustand belastet, ebenso wie das Aufmerksamkeitsvermögen einer euphorischen Person abnehmen kann.
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