Führt ein späterer Eintritt in den Ruhestand zu einer höheren Lebenserwartung?

Während die Altersgrenze für den Eintritt in den Ruhestand immer wieder zu Diskussionen führt, zeigt eine Studie von Chenkai Wu, Doktorand im Bereich öffentliche Gesundheit an der Universität Oregon (USA), dass ein späterer Eintritt in den Ruhestand die Lebenserwartung erhöhen kann. In einem Interview mit Nicole Torres von der Zeitschrift Harvard Business Review (HBR) von Oktober 2016 erklärt der Forscher seine Arbeit. Inwiefern kann ein späterer Eintritt in den Ruhestand die Lebensdauer beeinflussen?

In Teamarbeit mit den Professoren Robert Stawski und Michelle Odden (Universität Oregon) sowie Gwenith Fisher (Universität Colorado) stützte C. Wu seine Behauptungen auf eine Längsschnittuntersuchung zu Gesundheit und Ruhestand, die von 1992 bis 2010 durchgeführt wurde. An dieser Untersuchung nahmen 2956 Amerikaner im Alter von mindestens 50 Jahren teil. Der Großteil dieser Testgruppe war im Alter von ungefähr 65 Jahren in den Ruhestand gegangen. Gestützt auf eine statistische Analyse brachte die Untersuchung folgende Kernaussage zutage: Bei jenen Personen, die ihre Erwerbstätigkeit ein wenig später, etwa mit 66 Jahren aufgaben, sank die Sterblichkeitsrate um 11 %!

Dieser Zusammenhang zwischen einem späteren Eintritt in den Ruhestand und einer höheren Lebenserwartung wurde durch keine anderen soziodemographischen Aspekte, die den Lebensstil und die Gesundheit (Konsum von Zigaretten oder Alkohol, chronische Krankheiten, Body Mass Index, etc.) betreffen, beeinflusst. Auch weitere Faktoren wie die ethnische Herkunft, das Alter, das Bildungsniveau oder das Vermögen, die ebenfalls untersucht wurden, konnten den Zusammenhang nicht widerlegen, ebenso wenig wie die Unterscheidung zwischen Führungskräften, Angestellten und Arbeitern.

Da dazu noch weitere Studien durchgeführt werden müssen (insbesondere randomisierte kontrollierte Studien), behauptet C. Wu dennoch nicht, dass längeres Arbeiten in jedem Fall die Lebenserwartung erhöht. Dies ist außerdem nicht die wichtigste Botschaft, die der Forscher vorbringen möchte. Er will die Menschen vielmehr dazu anregen, über die Vorzüge von Arbeit nachzudenken, da dadurch der physische und kognitive Abbau des menschlichen Körpers verlangsamt werden kann. Während wir arbeiten, sind wir aktiv, kommunizieren mit unseren Kollegen usw. Sind wir einmal im Ruhestand, wird es schwierig, den Verlust dieser sozialen Interaktion auszugleichen.

Der Forscher betont außerdem, dass kulturelle und institutionelle Normen eine Schlüsselrolle bei der Wahl des Zeitpunkts, zu dem jemand in den Ruhestand geht, spielen. Er meint dazu: „Die Menschen sind oft glücklicher, wenn sie in einem Alter in den Ruhestand gehen, in dem es in der Kultur ihres Landes erwartet wird.“ Als Beispiel nennt er die USA, wo „ein späterer Eintritt in den Ruhestand aus kultureller Sicht erwünscht sein kann“, da Arbeit dort hoch angesehen wird. In Fällen hingegen, wo die Arbeit einen großen Stressfaktor darstellt, gibt C. Wu an, dass es förderlich sein kann, früher in den Ruhestand zu gehen, obwohl er zu bedenken gibt, dass auch der Ruhestand eine stressige Zeit sein kann. Ein möglicher Lösungsvorschlag wäre ein langsamer Übergang in den Ruhestand (Teilzeit-arbeit oder andere Beschäftigungen), damit die Menschen aktiv und sozial engagiert bleiben, was sich wiederum positiv auf ihre Gesundheit auswirken würde.
Quelle: Interview mit Chenkai Wu, „Defend your research - You’re likely to live longer if you retire after 65“, in Harvard Business Review, Oktober 2016

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