Wie viel Zeit sollten wir in der Natur zubringen, um unser Wohlbefinden zu steigern?

Tatsache ist, dass es für unsere physische und psychische Gesundheit vorteilhaft ist, Zeit in natürlicher Umgebung zu verbringen. Gibt es dabei eine Mindestdauer, damit die Natur uns tatsächlich wohltut? Diese Frage hat sich ein Wissenschaftlerteam an der englischen Universität Exeter gestellt. Dank ihrer sehr groß angelegten Studie haben sie die „wöchentliche Mindestdosis an Natur“ bestimmen können, die wir uns verabreichen sollten.

Es gibt sehr viele Studien, die eine Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden feststellen, wenn wir Zeit in natürlicher Umgebung (Wald, Stadtpark, Strand, usw.) zubringen. Selbst wenn die Belege je nach Studie qualitativ und quantitativ unterschiedlich sind, ist Leben in „grüneren“ städtischen Bereichen regelmäßig mit geringeren Risiken für kardiovaskuläre Erkrankungen, Asthma oder auch Depression assoziiert. Bestimmte Studien (siehe M White et al., 2013) weisen auch auf eine bessere kognitive Entwicklung bei Kindern hin, die in naturnahen Bereichen wohnen. In den meisten Fällen berücksichtigen die Untersuchungen zur Wirkung solcher Grünanlagen auf die Gesundheit ihre Quantität (Bedeckung) oder ihre Entfernung zu den Wohnhäusern. Eine alternative und zugleich komplementäre Methode besteht darin, die Exposition der Menschen gegenüber der Natur zu ermitteln und die Zeit zu messen, die sie tatsächlich in natürlicher Umgebung zubringen. Dies ist der Ansatz, den die von Mathew P. White geleitete Arbeitsgruppe am Europäischen Zentrum für Umwelt und menschliche Gesundheit (Universität Exeter) gewählt hat.

Aus der in England durchgeführten Studie zum Engagement für die Natur wurden 19 806 Personen ausgewählt. Die Wissenschaftler haben die Zusammenhänge zwischen dem Kontakt mit der Natur innerhalb der letzten sieben Tage und selbst angegebener Gesundheit/Wohlbefinden untersucht. Der Kontakt mit der erholsamen Natur, beziehungsweise die in der vergangenen Woche in natürlicher Umgebung zugebrachte Zeit wurde berechnet, indem die Anzahl der angegebenen Erholungsbesuche pro Woche mit der Dauer eines zufällig ausgewählten Besuchs in der letzten Woche multipliziert wurde. Es wurden sieben Zeitkategorien gebildet: 0 Minuten (11 668 Personen) ; 1-59 Minuten (n = 355) ; 60-119 Minuten (n = 1 113); 120-179 Minuten (n = 1 290); 180-239 Minuten (n = 1 014); 240-299 Minuten (n = 882); 300 Minuten (n = 3 484). In Bezug auf die Selbsteinschätzung der Gesundheit waren die möglichen Antworten: „sehr schlecht“, „schlecht“, „passabel“, „gut“ und „sehr gut“.

Laut den Ergebnissen haben die Personen, die im Verlauf der letzten Woche 1-119 Minuten in der Natur verbracht haben keine verbesserte Gesundheit/Wohlbefinden im Vergleich mit denjenigen angegeben, die überhaupt keine Grünanlagen aufgesucht haben. Dagegen sind diese Selbsteinschätzungen ab 120 Minuten durchgehend besser, als bei den Personen, die keinerlei Exposition angegeben hatten. Folglich gehen die Autoren davon aus, dass diese Dauer von zwei Wochenstunden Naturkontakt eine Schwelle darstellen könnte, unter der die in natürlicher Umgebung zugebrachte Zeit nicht ausreicht, um signifikante positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit beziehungsweise unser Wohlbefinden auszuüben. Darüber hinaus berichtet die Studie, dass diese „Schwelle“ bei Frauen wie Männern zu finden ist, ebenso wie bei älteren oder jüngeren Menschen, unabhängig von verschiedenen Berufen und ethnischen Zugehörigkeiten und egal, ob sie in reicheren oder ärmeren Gegenden leben, und selbst bei Menschen, die langfristig an einer Krankheit leiden oder behindert sind. Und ob es sich um einen einzigen Besuch oder mehrere kurze Besuche handelt, die Art und Weise, wie die 120 Minuten zusammenkommen, scheint wenig Bedeutung zu haben.

Als Fazit kann man sagen, dass selbst wenn diese Studie ihre Schwächen hat, insbesondere, in welcher Weise diese zwei Wochenstunden genutzt werden (Spaziergang, Jogging, beschauliches Sitzen auf der Bank, usw.) hat sie den Vorteil zu verdeutlichen, dass es wichtig ist, die in der Natur verbrachte Zeit zu messen, statt lediglich die Nähe der Wohnung als indirektes Maß für die Exposition gegenüber der Natur zu nehmen. Laut den Autoren tragen diese Ergebnisse dazu bei: „einen Gesprächsbeitrag zu leisten, um einfache Empfehlungen auszusprechen hinsichtlich der in natürlicher Umgebung verbrachten Zeit, die eine signifikante Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens nach sich ziehen kann.“
Quelle: Mathew P. White, Ian Alcock, James Grellier, Benedict W. Wheeler, Terry Hartig, Sara L. Warber, Angie Bone, Michael H. Depledge, Lora E. Fleming. “Spending at least 120?minutes a week in nature is associated with good health and wellbeing”, in Scientific Reports, June 2019 // White, M. P., Alcock, I., Wheeler, B. W. & Depledge, M. H. “Would you be happier living in a greener urban area? A fixed-effects analysis of panel data”, in Psychol Sci 24, 920–928 (2013)

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